PIGMENTBremen
Nachhaltigkeit · Findorff

Der größte Umweltposten im Salon läuft aus dem Hahn

Beim Waschen und Ausspülen entscheidet sich, wie ressourcenschonend ein Betrieb arbeitet. Erkennbar ist das für Kundinnen und Kunden leichter, als man denkt.

Ein gebürsteter Stahl-Brausekopf über einem dunklen Keramik-Waschbecken, ein feiner Wasserstrahl im Fall eingefroren, leichter Dampf im kalten blaugrauen Licht
KI-generiertes Bild

Wer im Salon rückwärts über dem Becken liegt, hört es besser als jeder andere: wie lange das Wasser läuft, bevor überhaupt jemand die Haare berührt, und wie lange es weiterläuft, während nebenan noch etwas geholt wird. Ein Haarschnitt dauert eine halbe Stunde. Das Wasser dazu läuft, je nach Arbeitsweise, einen erheblichen Teil davon.

In der Diskussion über nachhaltige Beauty geht es meistens um Verpackung. Der größere Posten steht am Waschbecken.

Warum Wasser und Wärme dominieren

Der Verbrauch eines Salons verteilt sich nicht gleichmäßig. Waschen, Ausspülen und das Entfernen von Farb- oder Blondierprodukten sind die Vorgänge, bei denen Wasser in Mengen fließt, und weil es warmes Wasser ist, hängt der Energiebedarf direkt daran. Jeder Liter muss erwärmt werden. Wasser sparen und Energie sparen sind hier dieselbe Maßnahme.

Drei Stellschrauben bestimmen das Ergebnis, und alle drei liegen in der Arbeitsweise, nicht in der Gesinnung.

Die Brause. Sparsame Brauseköpfe mischen Luft bei oder erzeugen einen feineren, gerichteten Strahl. Die Spülleistung bleibt dabei erhalten oder wird sogar besser, weil der Strahl gezielter arbeitet. Das ist die einzige Maßnahme, die ohne jede Verhaltensänderung wirkt.

Der Umgang mit dem Hahn. Wasser abstellen, während eingeschäumt, einmassiert oder eine Kur einwirkt, statt es nebenher laufen zu lassen. Klingt banal und ist im hektischen Betrieb die am häufigsten übersprungene Handlung.

Die Temperatur. Hier wird es fachlich interessant, weil sparsam und richtig zusammenfallen.

Hinzu kommt ein vierter Punkt, der selten genannt wird: die Spültechnik selbst. Wer die Brause dicht an der Kopfhaut führt und systematisch in Bahnen arbeitet, spült schneller aus als jemand, der aus größerem Abstand über das Haar hält. Ein Großteil des Wassers, das aus zu weiter Entfernung fällt, trifft nicht das Haar, sondern das Becken. Das ist reine Handwerkstechnik und im Ergebnis der Unterschied zwischen einem kurzen und einem langen Spülvorgang.

Lauwarm ist nicht Verzicht, sondern besser

Heißes Wasser fühlt sich am Kopf angenehm an. Für Kopfhaut und Haar ist es das nicht.

Hitze löst Lipide, die Talgschicht der Kopfhaut ebenso wie die Oberflächenlipide des Haars. Eine Kopfhaut, die regelmäßig heiß gewaschen wird, reagiert häufig mit verstärkter Talgproduktion und mit Trockenheitsgefühl zugleich. Das ist kein Widerspruch, sondern die typische Reaktion auf zu gründliches Entfetten.

Am Haar kommt ein zweiter Effekt dazu. Die Schuppenschicht liegt bei kühlerem Wasser flacher an. Bei Hitze quillt das Haar stärker, die Schuppen stellen sich weiter auf, und genau dann geht bei gefärbtem Haar mehr Farbpigment verloren. Wer sich über schnell verblassende Farbe ärgert, sollte zuerst die Wassertemperatur prüfen, nicht das Farbprodukt. Das gilt im Salon wie zu Hause.

Lauwarmes statt heißes Wasser spart also Energie und ist gleichzeitig die fachlich bessere Entscheidung. Solche Fälle sind selten genug, um sie zu erwähnen.

Was mit Farbresten passiert

Beim Ausspülen von Farb- und Blondierprodukten gelangen Reste ins Abwasser: Pigmente, oxidative Bestandteile, Alkalisierungsmittel, Tenside. Sie gehen in die kommunale Abwasserreinigung, die auf häusliches Abwasser ausgelegt ist.

Deshalb arbeiten manche Betriebe mit Filter- und Abscheidesystemen am Waschbecken. Deren Prinzip ist unspektakulär: Feststoffe und ein Teil der Farbbestandteile werden zurückgehalten, bevor sie in die Kanalisation gehen, und gesondert entsorgt. Ein solches System ist keine Pflicht und kein Beweis für Qualität, aber es ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass jemand über den eigenen Abfluss nachgedacht hat.

Der wirksamere Hebel liegt allerdings früher, nämlich bei der Dosierung.

Dosieren ist Handwerk

Farbe wird angerührt, und was zu viel angerührt wurde, wird weggeworfen. Wer Menge nach Gefühl ansetzt, produziert regelmäßig Überschuss, bei jeder einzelnen Kundin, bei jedem einzelnen Termin.

Sorgfältiges Arbeiten heißt hier: abwiegen statt schätzen, die Menge an tatsächliche Haarlänge und Haardichte anpassen, und bei Ansatzterminen nur so viel ansetzen, wie der Ansatz braucht. Dasselbe gilt für Shampoo und Pflege. Zwei Pumpstöße für kurzes Haar sind keine Sparmaßnahme, sondern die richtige Menge. Zu viel Produkt spült sich nicht nur weg, es verlängert auch den Spülvorgang und kostet dadurch zusätzlich Wasser.

Woran Sie es als Kundin oder Kunde erkennen

Sie müssen keine Betriebsdaten kennen, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Achten Sie auf Beobachtbares:

  • Wird das Wasser während des Einwirkens abgestellt oder läuft es durch?
  • Wird die Farbe abgewogen oder nach Augenmaß angerührt?
  • Bleibt am Ende viel angerührte Farbe im Näpfchen zurück?
  • Ist die Wassertemperatur angenehm warm oder wird sie so heiß eingestellt, wie man sie gerade aushält?
  • Wird bei der Menge an Shampoo und Pflege überlegt oder großzügig gepumpt?

Das sind keine moralischen Prüfsteine. Es sind Indikatoren für sorgfältiges Arbeiten insgesamt und Sorgfalt am Becken korreliert erfahrungsgemäß mit Sorgfalt am Kopf.

Warum das in Bremen naheliegt

Findorff ist ein Viertel kleiner Betriebe, in denen die Inhaberin oder der Inhaber selbst am Becken steht. Das ist der Grund, warum solche Fragen hier überhaupt entschieden werden können: Wer die Nebenkostenabrechnung selbst bezahlt und selbst wäscht, trifft die Entscheidung über Brausekopf, Temperatur und Dosierung in einer Person.

In einer Stadt, die selten mit großen Ansagen arbeitet, ist das die passende Form von Nachhaltigkeit. Sie hängt nicht als Aushang an der Wand, sondern passiert am Hahn.

Häufige Fragen

Muss ich zu Hause auch kalt duschen, damit die Farbe hält? Kalt nicht, lauwarm reicht. Entscheidend ist, den Bereich sehr heißen Wassers zu verlassen, besonders beim letzten Ausspülen. Ein kühlerer Abschluss lässt die Schuppenschicht flacher anliegen, was Glanz und Farbstabilität zugutekommt.

Ist ein Salon mit Filtersystem automatisch nachhaltiger? Nicht automatisch. Ein Filter behandelt das, was ohnehin schon entstanden ist. Ein Betrieb, der genau dosiert, sparsam spült und die Temperatur im Griff hat, kann ohne Filter besser dastehen als einer mit Filter und verschwenderischer Arbeitsweise.

Kann ich als Kundin überhaupt etwas beeinflussen? Ja, an drei Stellen. Sie können mit ungewaschenem, aber nicht stark produktbeladenem Haar kommen, sodass ein Waschgang genügt. Sie können sagen, dass Ihnen lauwarmes Wasser lieber ist. Und Sie können längere Farbintervalle wählen, wenn Ihr Schnitt und Ihre Farbtechnik das hergeben. Das spart mehr als jede Einzelmaßnahme im Salon.